Der Schloßberg
Der Schloßberg
Der Schlossberg erhebt sich rund 473 Meter hoch über den Regen. Er ist vorwiegend aus Granit mit Schichten von Jurakalk und Mergel beschaffen, es finden sich aber auch Gneis, Pinitporphyr und Keuper.
Es ist dieses markante Wahrzeichen, dem Regenstauf seinen Namen verdankt: Die in ältesten Urkunden überlieferte Benennung des Ortes als "Stauff" bezeichnet einen hoch aufragenden Felsen, mit dem zweifelsohne der Schlossberg gemeint ist.
Hatte sich der Schlossberg bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts stets im Besitz der jeweiligen Landesherrschaft befunden, wurde er 1803 an die Marktgemeinde Regenstauf verkauft. 1829 errichtete man oberhalb des Fußweges zur Burg hinauf ein Kruzifix und im Jahr darauf vierzehn Kreuzwegstationen, weshalb der Berg auch als Kalvarienberg bezeichnet wurde.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man schließlich damit, den Berg in größerem Umfang mit heimischen Nadel-, Laub- und Obstbäumen aufzuforsten. Teile des Berges wurden zur Parkanlage gestaltet, ein Wegenetz angelegt und Ruhebänke aufgestellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich die Schlossberganlagen in sehr schlechtem Zustand, Gebäude und Denkmale waren teilweise beschädigt. Nicht zuletzt den Bemühungen des Bergvereins ist es zu danken, dass dieser Umstand bald behoben wurde.
Heute bietet der Schlossberg mit seinem weitgehend naturbelassenen Baumbestand, der vielfältigen Vogelwelt, den gepflegten Spazierwegen und Bänken sowie der Gaststätte, dem Aussichtsturm und dem schönen Spielplatz einen einladenden Raum zur Naherholung. Der Neigung der kulturell Interessierten wird durch verschiedene historische Denkmale, dem Kreuzweg und der Lourdesgrotte Rechnung getragen. Der Bergverein veranstaltet jedes Jahr im Sommer ein Johannifeuer und alle drei Jahre ein Turmfest.
Burg
Vermutlich in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts fällt die Entstehung der einst auf der Kuppe des Berges erbauten mittelalterlichen Burg. Errichtet wurde sie wahrscheinlich von den Burggrafen von Regensburg zunächst als Wachturm über das Regental und die über den Fluss führende Handelsstraße. Diese verhältnismäßig einfache Anlage wurde im Laufe der nächsten Jahrhunderte zu einer Burg ausgebaut. Wie eine alte Karte um 1590 zeigt, nahm der Bau einen Großteil des Areals rund um die heutige Gastwirtschaft auf dem Berg ein.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Burg vermutlich weitgehend zerstört und in der Folge auch nicht mehr aufgebaut, so dass sie zusehends verfiel und von der Regenstaufer Bevölkerung schließlich sogar als Quelle für Baumaterial benutzt wurde. Die praktischerweise bereits behauenen Steine wurden schon im 18. Jahrhundert bei der Errichtung eines Vorgängers der heutigen Regenbrücke, beim Bau eines neuen Kirchturmes und für einige Häuser an der Bergstraße verwendet. Auf einer Darstellung aus den Jahren um 1745 ist die ehemals stolze Burg nur mehr als Ruine abgebildet.
Erste Anpflanzungen
Wie alte Darstellungen zeigen, war der Schlossberg im 18. und einem großen Teil des 19. Jahrhunderts weitgehend kahl und allenfalls mit Gestrüpp bewachsen. Genutzt wurde er vor allem als Weide für das Regenstaufer Vieh, am Südhang bewirtschaftete man einige Flächen als Acker. Einzig die Reste der dort im Mittelalter errichteten Burg krönten den Berg.
1829 pflanzte man anlässlich des 25jährigen Regierungsjubiläums von König Max Joseph I (das allerdings schon fünf Jahre zurücklag) auf dem Gipfel des Berges drei Eichen. Schon im Jahr darauf ließ Pfarrer Anton Merl unterhalb dieser Stelle ein Rondell aus 25 hochstämmigen Maulbeerbäumen und 50 Setzlingen anlegen.
Doch erst 1871, rund 40 Jahre später, wurde die Idee geboren, den gesamten Berg zu kultivieren. So setzte man im März den ersten Baum, angeblich eine Kastanie - andere Quellen nennen einen Nussbaum - aus dem Garten der Familie Amann (vermutlich Schneitweger Straße 9; Haus abgegangen). Mit einer planmäßigen Bepflanzung wurde im Mai 1872 begonnen, und in kurzer Zeit zierten die Kuppe des Berges 2000 Bäumchen. In den Folgejahren wurde eine immer größere Fläche aufgeforstet.
Annähernd abgeschlossen waren die Arbeiten erst im Jahr 1892. Bis zu diesem Zeitpunkt waren rund 190 000 Fichten, Föhren und Lärchen gepflanzt worden.
Seit damals wird die Anlage durch den Bergverein gepflegt. Kriegsschäden am Nordhang durch feindliche Fliegerangriffe 1945 sowie Sturmschäden 1982 und 1990 setzten dem Bestand stark zu.
Kreuzweg
Im Jahr 1829 - die Burg war längst verfallen - schlug Pfarrer Anton Merl vor, bei den drei Jubiläumseichen (s. dort) ein Kruzifix zu setzen. Dies gab den Anstoß zur Errichtung von Kreuzwegstationen auf dem Weg dorthin. Mehrere Regenstaufer hatten einen solchen Wunsch geäußert und waren bereit, die Kosten hierfür zu übernehmen. So wurde am 4. April 1830 der erste Kreuzweg eingeweiht. Er bestand aus 14 gemalten Darstellungen des Leidensweges, die in gemauerte Pfeiler eingesetzt waren. In den nächsten Jahrzehnten verfielen die Stationen jedoch, und so entschloss man sich 1874, die Reste vollständig abzutragen und stattdessen einen neuen Kreuzweg zu errichten.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Kreuzweg stark vernachlässigt, weshalb die Stationen nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise umgestürzt und schwer beschädigt waren. 1954 begann deshalb der Bergverein mit einer umfassenden Wiederherstellung, bei der an den 14 Stationen je eine Betstufe aus Stein angebracht wurde.
Lourdesgrotte
Sogenannte Lourdesgrotten wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert vielerorts zur Erfüllung eines Gelübdes bzw. als Dank für erfolgte Heilung oder Rettung aus einer Gefahrensituation errichtet.
1888 nun ließ auch die Ehefrau Therese des Regenstaufer Kaufmanns Benno Rumpl (Hauptstraße 30) in der Schlucht östlich des Gasthauses eine solche Grotte in den Felsen hauen und darin eine Marienstatue der Gottesmutter von Lourdes aufstellen.
Die aus Terrakotta gefertigte, farbig gefasste Figur besitzt eine Höhe von 1, 50 m und steht in der mit Kieselsteinen ausgekleideten Grotte.
In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden links und rechts der Grotte zwei Inschriftentafeln aus Stein angebracht.
Zum Schutz vor Schaden konnte die Grotte früher mit zwei eisernen Läden verschlossen werden. 1956 wurden aus demselben Grund am Eingang zur Schlucht zwei Tore aus Metall eingebaut. Beides ist mittlerweile entfernt.
Die Muttergottesfigur wurde 2001 umfassend renoviert, die Grotte selbst gereinigt. Links und rechts entstanden halbhohe Granitmauern, die Bodenfläche zwischen Grotte und Kapelle wurde gepflastert. Ein überdachter Kerzenständer vor der Grotte sorgt dafür, dass die Innenseite nicht verrußt.
Schloßbergkonzept
Mit dem Schlossbergkonzept „Geschichte trifft Natur” wurde der Idee von damals, den Schlossberg als vielfältigen Naherholungsraum zu nutzen, wieder neues Leben eingehaucht.
Als Ort geselliger Treffen, landschaftlich reizvoller Naherholungsraum, religiöser Andachtort und Lebensraum zahlreicher heimischer Tiere, besitzt der Schlossberg viele Funktionen.
Durch eine naturbewusste Umgestaltung des Schlossbergareals im Rahmen des Leader-Projekts ist ein abwechslungsreicher Anziehungspunkt für Jung und Alt mitten in Regenstauf entstanden. Das einzigartige Ambiente der Gaststätte hoch oben auf dem Schlossberg wurde durch die wieder errichtete Aussichtsplattform noch betont.
Neu geschaffen wurde außerdem ein Informationszentrum mit allem Wissenswerten rund um die Natur und die Geschichte des Schloßbergs sowie zwei Ritterspielplätze.
Teile des Schlossbergs sind heute als Natur- und Vogelschutzgebiete ausgewiesen und beheimaten neben zahlreichen, zum Teil seltenen Singvogelarten, auch Greif- und Eulenvögel, Spechte oder kleinere Säugetiere.
Die unterschiedlichsten Bäume und Sträucher, deren Existenz das Funktionieren eines derartigen Lebensraums überhaupt erst möglich macht, bieten den Tieren Schutz und Nahrung.
Gut ausgebaute Spazierwege und eine Vielzahl von Ruhebänken laden zum Genießen dieser einzigartigen Naturlandschaft ein. Auf der Aussichtsterrasse des Schlossbergturms hat man zudem einem beeindruckenden Rundblick auf die umgebende Landschaft.